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Auf einen Blick

News

Juli 2017

Mi. 12.7.17 | allgemeine Meldung

Besichtigungsfahrt Windenergieanlagen

Besichtigungsfahrt am Freitag 7. Juli 2017 mit Balgheimer Einwohnern/-innen zu den Windenergieanlagen (WEA) Steigers Eck II bei Tennenbronn (Schramberg)

Informationen vorab

Es ging darum zu erleben, wie solche WEA von Nahem aussehen und wirken, was man hört und wie Anwohner damit leben und umgehen. Deshalb wurden möglichst vergleichbare Windanalgen zur Besichtigung ausgesucht. Wichtig ist auch, dass man mit Anwohnern (Kritikern und Befürwortern), dem Anlagenhersteller/Betreiber und Vertretern der Politik ins Gespräch kommt. Es geht um eine ausgewogene Information.

Hören und messen

Herr Eulitz, Büro Möhler + Partner Ingenieure AG (München), ist öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger; außerdem ist er Projektleiter der großen bundesweiten Studie zu Infraschall des Umweltbundesamtes.

Die Teilnehmenden der Besichtigungsfahrt kommen an den Anlagen vor Ort ca. 250 m von der einen, und ca. 430 m von der anderen Windenergieanlage entfernt am Waldrand zum Stehen. Die Gruppe befindet sich ungefähr in Mitwindrichtung (Westwind) und kann beide Anlagen nebeneinander sehen.
br> Die Windgeräusche überdecken die Geräusche der WEA. Ein paar Meter weiter im Wald ist es windgeschützt und Herr Eulitz kann messen: 42 / 43 dB(A).

Info zu Angaben in db(A): Es handelt sich um den Versuch, mit Technik die Empfindlichkeit des menschlichen Gehörs bezüglich Geräuschen / Lärm zu bewerten.

45 dB(A) ist der zulässige Nacht-Immissionsrichtwert, bundesweit geregelt durch die Richtlinien für Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm).

An Straßen- und Schienenverkehrswegen sind in Misch- und Dorfgebieten nachts 54 dB(A) zulässig, in Balgheim an der B 14 sind es z. B. nachts gemäß Berechnung 62,5 dB(A) nach Einführung von Tempo-30.

Dr. Rüppel hat die aktuellen (Leistungs-) Daten der WEA Steigers Eck II:

• Die Windstärke auf Nabenhöhe beträgt ca. 8 m/s
• Die momentan erzeugte Leistung beträgt ca 2 MW
• Die Anlage dreht sich mit ca. 12 U/min – damit ist ungefähr die max. Drehzahl erreicht, schneller und lauter wird die Anlage nicht.

Messen mit und gegen den Wind:

Bis ca. 400 m sind die Werte gegen den Wind lauter, weil die Flügel der Anlage gegen den Wind mehr Lärm abstrahlen.

Ab 400 / 500 m Entfernung sind die Werte mit dem Wind lauter, da der Schall mit dem Wind weitergetragen wird.

Die leisere Situation ergibt sich, wenn man quer zum Wind von den Anlagen entfernt steht.

Welcher Einfluss hat es, wenn die Anlagen höher stehen und Anwohner sich tiefer, z. B. im Tal befinden:

• Die Windgeräusche / Windstärke auf Nabenhöhe werden, je tiefer man sich befindet, unten gefiltert / reduziert, so dass die Anlagen deutlicher / lauter zu hören sind. Ob das der Fall ist hängt auch von der Entfernung ab.
• Beispiel Norddeutschland: wenn man selbst genauso im Wind steht wie die Anlage, empfindet man die Anlage leiser, bzw. der Wind überdeckt die Anlagengeräusche.
• Die Situation in Balgheim, dass die WEA auf dem Berg steht, wird in den Immissionsprognosen berücksichtigt.

Fragen an Herrn Eulitz:

Wie ist eine WEA mit ihren Geräuschen bzgl. tiefen und hohen Frequenzen einzuordnen?
WEA erzeugen ein breitbandiges Geräusch. Was passiert mit den Immissionen bei Gebäuden?
Diese gehen relativ leicht durch Glas und (Leichtbau-) Hauswand, dabei werden die hohen Frequenzen eher rausgefiltert und die tiefen gehen durch.

Welche Prognose würde er für Geräusche von WEA in 2 km Entfernung machen?
Zunächst stellt Herr Eulitz fest, dass die jetzigen Messungen mit den Prognosen und Datenblättern der Anlagen übereinstimmen.
Für 1 km geht Eulitz von 35 dB(A) aus und für 2 km von max 28 dB(A). Zum Vergleich: mit 20 / 25 dB(A) wird i. d. R. der Umgebungslärm nachts veranschlagt.

Wie stark dämpft Wald die Immissionen?
Herr Eulitz: normaler Weise erfolgt durch „lichten“ Wald keine Dämpfung. Erst wenn er so dicht ist, dass man nicht mehr durchschauen kann.

Infraschall: Schallwellen mit Frequenzen unter 20 Hz können gemessen werden, sind aber nicht wahrnehmbar

Infraschall, von Herrn Eulitz gemessen: 60 dB linear 2 Hz, bei 12 Hz, 40 dB

Herrn Eulitz fasst auf Nachfrage wie folgt zusammen:

Bei einer Entfernung ab 2 km ohne eine Sichtbeziehung zum Windrad ist es äußerst unwahrscheinlich die Geräusche eines Windrades überhaupt wahrzunehmen. Selbst bei Entfernungen von 1,5 km sind nur bei bestimmten seltenen Wettersituationen und wenn es sonst keine Umgebungsgeräusche gibt, die Windräder schwach zu hören.

Informationen zu den Windenergieanlagen

Die Anlagen von Steigers Eck II sind seit Dezember 2016 in Betrieb. Die dort gebaute E 115 hat eine Nabenhöhe von 149 m, einen Rotordurchmesser von 115 m und eine Leistung von 3 MW.

Windhöfigkeit: Am Standort liegen 6,1 bis 6,2 m/s vor.

Von Januar bis Juni 2017 haben die beiden Anlagen Steigers Eck II 2,7 und 2,9 Mio. kWh erbracht.

Die Juni-Auswertung einer WEA:

• 400.000 kWh, ca. 440 Betriebsstunden, Windgeschwindigkeit im Durchschnitt ca. 5,4 m/s

Für Balgheim geplant ist die E 141: Nabenhöhe 159 m, Durchmesser 141 m und eine Leistung von 4,2 MW. Durch Optimierungen wird diese größere Anlage ungefähr die gleichen Schallemissionen haben.

In Balgheim liegt die Windgeschwindigkeit voraussichtlich bei 6 m/s. Ggf. würde noch mit Lidar- / Lasermessung die Windhöfigkeit gemessen und hochgerechnet. Bisher liegen Zahlen zu Windmessungen aus einem Jahr aus einer Gemeinde in der näheren Umgebung vor.

Enercon erwartet für Balgheim ca. 8 Mio kWh pro Jahr pro Anlage. Frage: Wie viele der bisher gebauten WEA sind rentabel?
Das lässt sich nicht pauschal sagen bzw. kommt auf viele Faktoren an. In den letzten Jahren sind die Maßstäbe strenger, die Windmessungen besser geworden. Entsprechend verlässlich sind die Erträge von neuen WEA. Ansonsten hängt es von vielen Faktoren ab, wie z. B. Anlagentyp, Standort, Finanzierung, Verzinsung, …, ob und wie hoch die Rendite ist. ENERCON geht von einem möglichen rentablen Betrieb in Balgheim aus.

Infos zu geplantem Standort in Balgheim:
• Die beiden Windräder werden im Walddistrikt „Seitenried“ ca. 2,5 km vom ersten bzw. nächstgelegenen Haus der zulässigen Wohnbebauung in Balgheim entfernt und von den meisten Stellen der Ortslage aus gar nicht oder nur evtl. mit Teilen der Rotoren sichtbar sein.
• Abstand von: Dreifaltigkeitsbergs-Kirche: 1,5 km Spaichingen (jeweils zum nächstgelegenen Haus): 2,5 Denkingen: 2,3 km Böttingen: 2 km Fluggelände Klippeneck: 1,7 km

Eiswurf:
Die WEA werden mit Blattheizungen ausgestattet. Bei Eiserkennung wird heiße Luft in den Flügel geblasen, solange bis Anlage eisfrei ist. Dabei steht die Anlage kurzzeitig still.

Austausch mit Gemeindevertretern und Anwohnern
Ortschaftsrat Hermann: Seit 1999 erstes Bürgerwindrad – viele Erfahrungen mit Windrädern. Wobei sich bei den ersten Windrädern die Rendite-Erwartungen nicht erfüllt haben.
2013 Verabschiedung des Flächennutzungsplan für Windenergie mit Kompromiss (ein Teil der Fläche wird freigehalten).
Weitere Windräder sind in Bau bzw. in Planung.
Die Abstimmung zwischen den Gemeinden St. Georgen, Schramberg und Hornberg gestaltete sich schwierig, zumal auch die Flächennutzungspläne unterschiedlich fortgeschritten sind/waren.

Forstrevierleiter Obergfell: Für Windräder wird ca. 1 Hektar Fläche benötigt. 0,6 bleibt dauerhaft und 0,4 befristet gerohdet. Für die 0,6 ha sind Ausgleichsmaßnahmen notwendig. In diesem Fall war ökologische Aufwertungsmaßnahme möglich, anstelle von Fichten wurden Erlen gepflanzt. Es kann auch an anderer Stelle Wald aufgeforstet werden. Frage: Gab es Totfunde unter den Anlagen? Ihm ist nichts bekannt. Er ist auch nicht oft vor Ort

Ortsvorsteher Müller: Die Leute im Ort in Langenschiltach, mit denen er gesprochen hat, die stört es nicht. Das Wild passt sich an Windräder an. Tote Tiere oder Vögel hat er noch nie gesehen, obwohl er öfters mit dem Fahrrad vorbei kommt.

Abschlussfrage an alle Teilnehmer im Bus:
Hat die Besichtigungsfahrt ihnen geholfen, sich eine Meinung zu bilden?
Mehr als die Hälfte der Teilnehmer bekundet die Frage per Handzeichen mit JA.


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