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Auf einen Blick

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Juli 2017

Do. 20.7.17 | allgemeine Meldung

Zusammenfassung Einwohnerversammlung

Zusammenfassung der Ergebnisse aus der Einwohnerversammlung vom 11.07.2017

Gut 100 Balgheimerinnen und Balgheimer verfolgten die fachlich sehr fundierten und belastbaren Vorträge von Frau Prof. Dr. Caroline Herr zu gesundheitlichen Auswirkungen und Infraschall, von Herrn Dr. Heiko Rüppel über Planungsstand, Bau, Betrieb, Wirtschaftlichkeit und Bürgerbeteiligung bei einem Windrad, von Herrn Dr. Frieder Dinkelaker zu den forstlichen Prüfkriterien und zu den Wirkungen auf den Wald sowie Herrn Dr. Martin Köppel für BUND und NABU zu den Zusammenhängen von erneuerbaren Energien, Natur- und Artenschutz und von Herrn Jakob Lenz zur Rückschau auf die Erfahrungen und Eindrücke bei der Besichtigungsfahrt.

Im Ergebnis kann zu den Aussagen der hochkarätigen Fachleute festgehalten werden:

1. Keine gesundheitlichen Risiken – Schallbelastung nur in nächster Nähe
Schall und Infraschall von Windenergieanlagen haben spätestens nach 1.000 m Abstand keine gesundheitlichen Auswirkungen und sind in der Regel ab einer Entfernung von 1.000 Metern nicht mehr von den Umgebungsgeräuschen zu unterscheiden und damit bei normalen Wetterlagen auch nicht hörbar. Infraschall ist auch durch Umgebungsgeräusche wie Wind, Motorenlärm, hauseigene Lufttechnik sowie Heizungsanlage usw. alltäglicher Begleiter des Menschen.

2. Keine Lärmbelästigung – in den umliegenden Gemeinden nicht hörbar
Wie Herr Christian Eulitz, ein namhafter Sachverständiger, der auch in der bundesweiten Forschung und bei Gerichtsverfahren als Fachmann eingeschaltet wird, bei der Besichtigungsfahrt am 07.07.2017 in Tennenbronn auf Rückfrage ausführte, ist es bei einer Entfernung ab 2.000 Metern ohne eine Sichtbeziehung zu einem Windrad sehr unwahrscheinlich, Geräusche eines Windrades überhaupt wahrnehmen zu können. Selbst bei Entfernungen von 1,5 km sind nur bei bestimmten, sehr selten eintretenden Wettersituationen und, wenn es sonst überhaupt keine anderen Umgebungsgeräusche gibt, die Windräder zu hören. Die Ruhe auf dem Dreifaltigkeitsberg wird nicht zerstört.

3. Balgheim bleibt Wohlfühlgemeinde – Abstände weit über gesetzlicher Norm

Die Abstände betragen nach Dürbheim zwischen 3,7 und 4 km, nach Böttingen zwischen 1,9 und 2,1 km, zum Fluggelände Klippeneck zwischen 1,5 und 1,8 km, zum Restaurant Klippeneck zwischen 1,7 und 2,1 km, nach Denkingen zwischen 2,3 und 2,7 km, nach Spaichingen zwischen 2,5 und 2,7 km, zum Landgasthof „Zur Bleiche“ zwischen 1,9 und 2,0 km, zur Dreifaltigkeitsbergkirche zwischen 1,5 und 1,6 km sowie nach Balgheim 2,5 km. Die Entfernungen liegen damit um ein Vielfaches über den gesetzlich festgelegten Abständen. Hierbei werden die genannten Abstände jeweils zum ersten Wohngebäude der geschlossenen Ortslage gemessen. In Balgheim ist dies das oberste Gebäude der Straße „Himmelberg“. Damit ist auch erwiesen, dass die Abstände zur so genannten frei zu haltenden „Platzrunde“ des Segelfluggeländes Klippeneck eingehalten werden. Beide potentiell möglichen Standorte befinden sich im Norden der Balgheimer Gemarkung im Walddistrikt „Seitenried“.

Bei allen bisher nicht von der Gemeinde veröffentlichten Standorten handelt es sich aus Sicht von ENERCON um „mögliche Standorte“, welche auch von Seiten der Fa. ENERCON ins Gespräch gebracht worden sind. Bei der ersten Informationsveranstaltung mit der Einwohnerschaft am 23.11.2016 wurden diese unverbindlichen ENERCON-Standorte dann in eine erste Diskussionsrunde eingebracht. Es war in dieser Versammlung auch dargelegt worden, dass es sich um Vorschläge von ENERCON handelt und der Gemeinderat sich bislang keine abschließende Meinung gebildet hat - weder zur grundsätzlichen Frage der Verpachtung von Flächen für Windräder noch zu konkreten Standorten. Diese Standorte waren zu keinem Zeitpunkt von der Gemeinde abschließend autorisiert oder gar als solche festgelegt worden. Vielmehr betonte die Gemeinde von Anfang an ausdrücklich, dass Standorte an der Hangkante nicht in Frage kommen können und nur 2 Standorte gewünscht sind.
Erstmals legte der Gemeinderat am 19.04.17 Kriterien für Standorte fest und besichtigte am 04.05.17 potentielle Standorte.
ENERCON ging es bei den Standortanfragen beim Regierungspräsidium um die grundsätzliche Frage eventueller Auflagen aufgrund der Radaranlage Gosheim und des Segelflugplatzes Klippeneck.

4. Windräder auf 2 Stück begrenzt – mehr werden nicht zugelassen
Der Gemeinderat hat die Zahl der Windräder auf 2 Stück begrenzt und immer bekundet, dass Windräder im Gemeindewald an der Hangkante ausgeschlossen werden.
Die Gemeinde hat bei dem auf Visualisierungen spezialisierten Fachbüro Zimmermann & Meixner 3D, Amtzell, eigene fotorealistische sowie maßstabs- und naturgetreue Abbildungen beauftragt.
Die in diesem Amtsblatt abgedruckten Visualisierungen geben den möglichen künftigen Anblick wieder, soweit die Windräder von der Ortslage überhaupt sichtbar sind. Im ebenfalls abgedruckten Übersichtsplan sind die korrekten Abstände der potentiellen Standorte dargelegt. Sämtliche Ansichten, Abstandspläne und weiteres können an den Schautafeln, welche im Flur des Rathauses aufgestellt sind, betrachtet werden.
In anderen bislang verbreiteten Visualisierungen werden weder die richtigen Standorte, noch die korrekte Zahl der Windräder wiedergegeben. Damit sind auch diese Fotomontagen falsch. Die Gemeinde verhindert durch vertragliche Regelungen weitere Windräder auf ihren Flächen.

5. Keine akute Gefahr für Vögel und Wild – Artenschutz wird geprüft

Bedrohte Vogelarten befinden sich nicht in akuter Gefahr. Die größte Gefahr für Vögel geht nicht von Windenergieanlagen aus, sondern beispielsweise vom Straßenverkehr, von Glas an Gebäuden und Pestiziden. Nach Auffassung des Experten erfüllt ein bloßer Untersuchungsbericht die Anforderungen an ein prüffähiges Gutachten, in welchem eine Langzeitbetrachtung gefordert ist, bei Weitem nicht.
Sollte sich die Realisierung der beiden Windenergieanlagen konkretisieren, wird ENERCON u. a. auch ein artenschutzrechtliches Gutachten bei einem akkreditierten Gutachterbüro in Auftrag geben.

6. Wirtschaftlichkeit wird geprüft – keine Kosten für die Gemeinde
ENERCON geht von einem wirtschaftlichen Betrieb dieser neuen Anlagen-Generation aus. Auf jeden Fall muss dies über eine 1-jährige Messperiode verlässlich dokumentiert werden. Eine Windmessung wird ENERCON nach deren Angaben rund 100.000 EUR kosten. Sollte bei der Messung festgestellt werden, dass der Wind im Bereich zwischen 120 und 240 Meter Höhe ausreichend ist, werden erst danach weitere Gutachten beauftragt. Die neuen Anlagen sind gerade für windschwache Standorte ausgelegt. Die Angaben im Windatlas Baden-Württemberg stellen lediglich eine im Jahr 2011 geschätzte Prognose über die Windstärke dar.

Darüber hinaus wurde dargelegt, dass die Windräder zum größten Teil aus recycelbaren Materialien bestehen und der Rückbau nach 20 spätestens 30 Jahren über eine Bankbürgschaft gewährleistet ist. Das wirtschaftliche Risiko des Betriebs würde der Betreiber tragen. Erst wenn nach einem Probejahr die Wirtschaftlichkeit nachgewiesen werden kann, können sich Bürger beteiligen - sofern dies gewünscht ist.
Wind ist im Energiemix der regenerativen Energien unverzichtbar. Die Fa. ENERCON steckt zudem viel Geld in die Forschung von Ladeinfrastrukturen für E-Mobilität und „Power to Gas“ (Herstellung von Wasserstoff unter Einsatz von Ökostrom) etc.. Allerdings wurde auch verdeutlicht, dass hierfür die notwenige Finanzausstattung zu erwirtschaften sei.

7. Der Wald bleibt weiter Naherholungsgebiet – keine nachhaltige Störung für das Wild
Der Wald wird nicht nachhaltig gestört. Die Eingriffe in den Wald mit je nach Lage rund 700 Festmetern sind im Vergleich zum jährlichen Holzeinschlag der Gemeinde mit 2.200 Festmeter pro Jahr relativ gering. Dennoch müssen Eingriffe in Natur und Landschaft an anderer Stelle z. B. durch Schaffung von Biotopen, Pflanzung von Streuobstwiesen oder Aufforstung ausgeglichen werden. Das Wild wird nur kurzzeitig in der Bauphase gestört; nachweislich gewöhnt sich Wild sehr rasch an veränderte Umgebungsbedingungen.

8. Gewinn für alle Einwohner ohne Risiko – Gemeinde hat keine Kosten
Als Fazit konnte festgehalten werden, dass selbst wenn sich die Bürger von Balgheim am 24.09.2017 für die Verpachtung von Flächen zur Errichtung von Windrädern entscheiden, noch lange nicht feststeht, dass diese dann auch gebaut werden. Dazu bedarf es eines umfangreichen Prüf- und Genehmigungsverfahrens. Dennoch könnte die Gemeinde Balgheim mit 2 Windrädern einen bezogen auf ihre Größe wichtigen Teil zur Energiewende leisten. Der Strombedarf von Balgheim einschließlich der Gewerbebetriebe lag im Jahr 2015 bei 4.939 MWh. ENERCON geht davon aus, dass ein Windrad jährlich rund 9.000 MWh Strom erzeugen wird. Hinzu kommt, dass für die Gemeinde wie für private Anleger und auch für den kleinen Geldbeutel wirtschaftliche Vorteile generiert werden können. Die Balgheimer könnten Strom günstiger als bei den herkömmlichen Anbietern beziehen. Alleine die Energieeinsparung und die sehr zeitaufwändige Forschung nach Alternativen reichen nicht aus, um die Energiewende erfolgreich voranzutreiben – das Klima verändert sich leider unaufhaltsam aufgrund menschlicher Einflussnahme.
Bürgermeister Helmut Götz dankt allen Einwohnern, die sich die Zeit genommen haben, sich bei der Einwohnerversammlung zu informieren, sowie allen Fragestellern.


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